71 STEHENDES WASSER *

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... die Muster ZUGANG ZUM WASSER (25) und TEICHE UND BÄCHE (64) sehen vielfältige Formen von Wasser in der ganzen Gemeinde vor. Das folgende Muster trägt zur Verschönerunger stehenden Gewässer bei — der Tümpel, Teiche und Schwimmplätze — und versieht sie mit einer kindersicheren Uferausbildung. Es hilft auch bei der Differenzierung des öffentlichen Raums in HAUSGRUPPE (37), GEMEINSCHAFT VON ARBEITSSTÄTTEN (41), GESUNDHEITSZENTRUM (47), GEMEINSCHAFTSFLÄCHEN (67), LOKALER SPORT (72)

 

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Um mit dem Wasser in Berührung zu kommen, müssen wir vor allem Gelegenheit zum Schwimmen haben; um täglich Schwimmen zu können, müssen Teiche und Wasserlöcher so in der ganzen Stadt verstreut sein, daß jede Person eine Schwimmgelegenheit binnen Minuten erreichen kann.

 

In TEICHE UND BÄCHE (64) wurde bereits erklärt, wie wichtig der Kontakt mit Wasser ist — und wie das in einem Gebiet vorhandene Wasser, wenn es offen belassen wird, einen natürlichen Bestandteil der alltäglichen Ökologie einer Gemeinde bilden kann.

In diesem Muster gehen wir einen Schritt weiter und legen das Hauptgewicht auf das Schwimmen. Einerseits können Erwachsene nur wirklichen Kontakt mit Wasser haben, wenn sie darin schwimmen. Deshalb muß das Wasservolumen groß und tief genug zum Schwimmen sein. Andererseits wirken die stark gechlorten privaten, mit Mauern oder Zäunen umschlossenen Schwimmbecken, die sich in reichen Vorstädten eingebürgert haben, genau gegen jene Kräfte, die wir in TEICHE UND BÄCHE (64) beschrieben haben. Sie sind so privat und so antiseptisch, daß sie die Berührung des Wassers fast bedeutungslos machen. Das bedeutet, daß sozusagen in jedem Block eine Schwimmgerlegenheit sein muß, in jeder Hausgruppe, in jeder Nachbarschaft.

In diesem Muster werden wir deshalb versuchen, ein Beispiel für eine Art „Wasserloch" zu erstellen: öffentlich, sodaß es eine Einrichtung der Gemeinde wird und nicht eine private; sicher, sodaß dieses öffentliche Gewässer zum Schwimmen tief genug sein kann, ohne für kleine Kinder, die am Ufer spielen, gefährlich zu sein.

Durch Millionen von Jahren sind Kinder an den Ufern von Meeren, Flüssen und Seen völlig sicher aufgewachsen. Warum ist ein Schwimmbecken so gefährlich? Die Antwort liegt in der Randausbildung.

  

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 ... der Rand ...

 

In der Regel ist die natürliche Kante zwischen Wasser und Ufer durch einen langsamen, laufenden Übergang gekennzeichnet. Im Wasser gibt es eine charakteristische Abfolge von Änderungen in Materialien, Oberflächen - überhaupt im Lebensraum. Die Folgen dieses Übergangs für den Menschen sind bedeutsam: Er kann das Ufer unbekümmert entlanggehen, ohne auf seine Sicherheit zu achten; er kann man Rand sitzen und die Füße ins Wasser halten oder knöcheltief entlangwaten.

Spielen im Wasser ist für Kinder ungefährlich, wenn der; Rand verlaufend ist. Und ein Kind, das in einen See kriecht, erlebt keine plötzlichen Überraschungen; es hält inne, wenn das-Wasser zu tief wird und kriecht wieder zurück. Man hat sogar herausgefunden, daß Kinder einander das Schwimmen lehren, wenn sie ungehindert rund um einen tiefen Teich mit stark, abgeflachtem Ufer spielen können. An solchen Teichen lernen manche Kinder sogar früher schwimmen als gehen. Selbst die Felsen eines Steilrandes an einem See mit Felsufer sind nicht: sehr überraschend - weil der Sandboden am Ufer erst weiter im Wasser von Felsen abgelöst wird, die nicht mehr flach sind und eine andere Textur aufweisen, bevor man an die steile Kante kommt.

Ein Schwimmbecken dagegen, wie jede Art von Wasser mit einem harten und künstlichen Rand, hat keine solchen Übergänge. Ein Kind kann am Rand mit voller Geschwindigkeit laufen und — platsch — sich plötzlich in zwei Meter tiefem Wasser finden.

Der abrupte Rand, für Kinder äußerst gefährlich, hat auch seine psychologischen Wirkungen auf Erwachsene. Obwohl sie nicht tatsächlich durchs Ufer gefährdet sind — da sie dessen Gefahren kennen —, ist das Vorhandensein einer ökologisch falschen Abruptheit beunruhigend. Sie zerstört den Frieden und die Ruhe, die Wasser oft ausstrahlt.

Es ist daher entscheidend, daß jedes Ufer, ob an einem Teich, .einem See, einem Schwimmbecken, einem Fluß oder einem ::Kanal so gemacht wird, daß es eine natürliche Neigung hat, die Wechselt, wenn man zum Ufer kommt, und weiter zunächst ins Seichte und dann ins allmählich tiefer werdende Wasser führt. Natürlich braucht man auch tiefes Wasser zum Schwimmen; aber der Rand des tiefen Wassers darf nicht direkt zugänglich sein. Stattdessen sollte der Rand um das tiefe Ende durch eine Mauer oder einen Zaun geschützt sein; man könnte dort Inseln bauen, zu denen man schwimmen und von denen aus man tauchen kann.

 

Daraus folgt:

Sorg in jeder Nachbarschaft dafür, daß es stehendes Wasser zum Schwimmen gibt — einen Teich, ein Schwimmbecken. Mach das Becken zu allen Zeiten öffentlich zugänglich, leg den Zugang aber nur auf die seichte Seite des Beckens und laß es von dort allmählich tiefer werden — beginnend bei einer Tiefe von einigen Zentimetern.

 Eine Muster Sprache 71 STEHENDES WASSER

 

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Richte womöglich das Becken als Teil eines natürlichen Fließsystems ein, so daß es sich selbst reinigt und nicht mit Chlor behandelt werden muß — TEICHE UND BÄCHE (64). Setz das Becken der Südsonne aus — AUSSENRAUM NACH SÜDEN (105), Bereichere das Ufer womöglich durch einen kleinen Außenraum oder eine Pergola, wo man sitzen und zuschauen kann — ÖFFENTLICHES ZIMMER IM FREIEN (69), LAUBENWEG (174), SITZMAUER (243) ...

 

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