183 ABGRENZUG DES ARBEITSPLATZES **

 

183.0

... das folgende Muster spielt eine wichtige Rolle bei der Schaffung einer effizienten Arbeitsatmosphäre. Man kann es stückweise anwenden, um die größeren Muster für Arbeitsplätze zu schaffen, wie etwa FLEXIBLE BÜROFLÄCHE (146), HALBPRIVATES BÜRO (152) und HAUSWERKSTATT (157). Es kann aber auch als Ergänzung zu diesen Mustern verwendet werden, wenn man sie bereits in den Entwurf eingearbeitet hat. Selbst bei einer an den Gemeinschaftsraum der Familie anschließenden Nische - NISCHEN (179) - kann es dabei helfen, eine zum Arbeiten besser geeignete Stelle zu schaffen, indem man die unmittelbar rundherum liegende Abgrenzung entsprechend diesem Muster anlegt und gestaltet.

 

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Man kann nicht effektiv arbeiten, wenn der Arbeitsplatz zu stark abgegrenzt oder zu offen ist. Ein guter Arbeitsplatz hat von beidem etwas.

 

In vielen Büros arbeiten die Menschen entweder völlig abgegrenzt voneinander und fühlen sich deshälb isoliert, oder sie arbeiten auf einer völlig offenen Fläche wie dem Großraumbüro und fühlen sich deshalb den Blicken aller ausgesetzt. In jedem dieser Extreme ist das Arbeiten schwierig - das Problem ist, das richtige Gleichgewicht zwischen beiden zu finden.

Um dieses Gleichgewicht auszumachen, führten wir einen einfachen Versuch durch. Wir definierten zuerst 13 Variable, die Einflüsse auf das persönliche Gefühl der Abgegrenztheit an einem Arbeitsplatz haben könnten.

Diese 13 Variablen sind:

  1. Vorhandensein oder Fehlen einer Wand unmittelbar hinter der Person.
  2. Vorhandensein oder Fehlen einer Wand unmittelbar ne-1. Vorhandensein oder Fehlen einer Wand unmittelbar neben der Person.
  3. Größe des offenen Raumes vor der Person.
  4. Fläche des Arbeitsplatzes.
  5. Gesamtausmaß der Umschließung unmittelbar um den Arbeitsplatz herum.
  6. Blick ins Freie.
  7. Entfernung zur nächsten Person.
  8. Anzahl der Leute, von deren Anwesenheit man weiß.
  9. Lärm: Pegel und Art.
  10. Vorhandensein oder Fehlen einer Person direkt gegenüber.
  11. Anzahl der verschiedenen möglichen Sitzpositionen.
  12. Anzahl der Leute, die man vorn Arbeitsplatz aus sehen kann.
  13. Anzahl der Leute, mit denen man in normaler. Lautstärke reden kann.

Dann stellten wir 13 Hypothesen auf, die diese Variablen mit der Zufriedenheit am Arbeitsplatz in Zusammenhang bringen. Die Hypothesen werden unten aufgezählt. Wir befragten 17 Männer und Frauen, die alle bereits in verschiedenen Büros gearbeitet hatten. Zuerst fragten wir jeden einzelnen nach dem besten und dem schlechtesten Arbeitsplatz, an dem er oder sie jemals gearbeitet hatte; und dann baten wir sie, eine Skizze dieser beiden Räume anzufertigen. Schließlich stellten wir ihnen noch Fragen, um die Bewertung dieser 13 Variablen beim "besten" und „schlechtesten" Arbeitsplatz herauszuarbeiten. So konnten wir zum Beispiel auf die vorn Befragten angefertigte Skizze zeigen und fragen, „Wie weit war diese Wand entfernt?", um den Wert der dritten Variable festzulegen. Die Werte der Variablen für die 17 besten und schlechtesten Arbeitsplätze sind der weiter unten folgenden Tabelle zu entnehmen.

Auf der Grundlage dieser Tabelle errechneten wir dann entsprechend der Korrelation die wahrscheinliche Bedeutung unserer Hypothesen. Demnach scheinen neun dieser Hypothesen von Bedeutung zu sein, und vier nicht. Wir führen nun die neun „bedeutsamen" Hypothesen an und versuchen, für jede in der Klammer eine Erklärung für ihre Gültigkeit zu geben.

  1. Man fühlt sich an einem Arbeitsplatz wohler, wenn hinter einem eine Wand ist. (Wenn der Rücken ausgesetzt ist, fühlt man sich verwundbar — man weiß nie, ob einen jemand anschaut oder sich von hinten nähert.) Die Angaben stützen diese Hypothese mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 1 Prozent.
  2. Man fühlt sich am Arbeitsplatz wohler, wenn man an einer Seite neben sich eine Wand hat. (Wenn der Arbeitsplatz nach vorne und nach beiden Seiten hin offen ist, fühlt man sich zu sehr ausgesetzt. Das ist wahrscheinlich auf die Tatsache zurückzuführen, daß man zwar alles, was in einem Winkel von 180 Grad um einen herum geschieht, vage wahrnehmen kann, aber trotzdem das Gefühl hat, nicht alles unter Kontrolle zu haben, wenn man nicht ständig den Kopf hin- und herdreht. Wenn man auf einer Seite eine Wand hat, muss man nur noch einen Winkel von 90 Grad unter Kontrolle haben. Das ist viel leichter und man fühlt sich sicherer.) Die Angaben unterstützen diese Hypothese mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5 Prozent.Eine Muster Sprache 183 ABGRENZUG DES ARBEITSPLATZES
  3. Undurchbrochene Wände vor einem sollten Mindestens 2,5 m entfernt sein. (Beim Arbeiten will man manchmal schauen und den Blick auf etwas richten, das weiter als der Tisch entfernt ist. Ist die Wand weniger als 2,5 m entfernt können sich die Augen nicht auf eine andere Distanz einstellen und entspannen. In diesem Fall fühlt man sich zu eingeschlossen.) Die Angaben stützen diese Hypothese mit einer Irrtums Wahrscheinlichkeit von 5 Prozent.
  4. Arbeitplätze, an denen man den Großteil des Tages verbringt, sollten eine Fläche von mindestens 6 m² haben. (Bei einem kleineren Arbeitsplatz fühlt man sich verkrampft und beengt.) Die Angaben stützen diese Hypothese mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5 Prozent.
  5. Jeder Arbeitsplatz sollte zu 50 bis 75 Prozent von Wänden oder Fenstern umschlossen sein. (Wir nehmen an, daß die Umschließung mittels Fenstern weniger das Gefühl von Abgrenzung vermittelt als nicht durchbrochene Wände, so das ein  Arbeitsplatz, der zur Hälfte von Wänden und zur Hälfte von Fenstern umschlossen ist, als zu 75prozentig umschlossen betrachtet wird,) Die Angaben stützen diese Hypothese mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 1Prozent.
  6. Jeder Arbeitsplatz sollte einen Blick nach draußen bieten, (Wenn man nicht nach draußen sieht, empfindet man das Gebäude als einengend und erdrückend, selbst wenn man in einem großen offenen Büro arbeitet. Siehe FENSTER MIT BLICK AUF DIE AUSSENWELT (192). Die Angaben stützen diese Hypothese mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 0,1 Prozent.
  7. Die Entfernung zum nächsten Arbeitsplatz sollte mindestens 2,5 m betragen. (Man sollte entweder telefonisch oder persönlich mit jemanden sprechen können, ohne das Gefühl, zu haben, daß ein anderer jedes Wort mithören kann. Der Lärmpegel in einem Büro liegt durchschnittlich bei 45 dB. Bei 45 dB sind Leute, die weniger als 2,5 m entfernt sind, praktisch dazu  gezwungen, Gespräche mit anzuhören. Aus dem Handbook of Noise Measurement von Peterson und Gross, Sechste Auflage; West Concord, Mass.: General Radio Company, 1967) Die Angaben unterstützen diese Hypothese mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5 Prozent.
  8. Es ist unangenehm, wenn während der Arbeit nicht mindestens noch zwei weitere Personen anwesend sind. Andererseits möchte man keineswegs mehr als acht Personen in der Nähe wissen. (Wenn mehr als acht Personen anwesend sind, verliert man das Gefühl für seinen Platz in der Organisation. Man fühlt sich wie ein Rädchen in einer riesigen Maschine. Man 'ist zu vielen Menschen ausgesetzt. Weiß man jedoch überhaupt niemanden in seiner Nähe, fühlt man sich isoliert, als ob sich niemand um einen und seine Arbeit kümmert. In diesem Fall ist man zu stark abgeschlossen.) Die Angaben stützen diese Hypothese mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5 Prozent.
  9. Man sollte vom Arbeitsplatz aus keinen Lärm hören, der sich von dem Lärm, den man selbst erzeugt, sehr unterscheidet. (Der Arbeitsplatz sollte ausreichend umschlossen sein, um Lärm, der sich vom eigenen unterscheidet, abzuhalten. Es gibt einige Hinweise darauf, daß man sich besser auf eine Arbeit konzentrieren kann, wenn die Leute um einen herum das Gleiche tun, nicht etwas anderes.) Die Angaben stützen diese Hypothese mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5 Prozent.

    Vier der von uns geprüften Hypothesen konnten anhand der Angaben nicht in einem statistisch relevanten Ausmaß bestätigt werden. Es handelt sich um folgende:

  10. Niemand sollte einem direkt gegenübersitzen.
  11. Arbeitsplätze sollten ermöglichen, daß man in verschiedene Richtungen schauen kann.
  12. Vorn Arbeitsplatz aus sollte man mindestens zwei andere -Leute sehen; aber nicht mehr als vier.
  13. Zumindest eine Person sollte nahe genug zum Reden1. Zumindest eine Person sollte nahe genug zum Redensein.

 

Daraus folgt:

Gib jedem Arbeitsplatz eine Fläche von mindestens 6 Quadratmetern. Leg um jeden Arbeitsplatz Wände und Fenster, die in ihrer Gesamtfläche (Fenster zählen nur halb) 50 bis 75 Prozent einer vollen Umschließung ergeben; eine volle Umschließung wäre gegeben, wenn die 6 m² von vier geschlossenen Wänden umgeben wären. Mach den Arbeitsplatz nach vorne hin mindestens 2,5 m offen und in einen größeren Raum hineinschauend. Stell den Schreibtisch so auf, daß die daran arbeitende Person einen Blick nach draußen hat, sei es nach vorn oder zur Seite. Wenn andere in der Nähe arbeiten ordne die Umschließung so an, daß sie das Gefühl einer Verbindung mit den anderen zwei oder drei Leuten vermittelt; aber leg nie mehr als acht Arbeitsplätze in Sicht- oder Hörweite voneinander an.

 Eine Muster Sprache 183 ABGRENZUG DES ARBEITSPLATZES 1

 

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 Was die Aussicht betrifft, gib jedem Arbeitsplatz ein Fenster ins Freie — FENSTER MIT BLICK AUF DIE AUSSENWELT (192); faß den Bereich mit dicken Wänden ein, die Regale und Ablageflächen enthalten — DURCHBROCHENE WAND (193), DICKE WÄNDE (197), OFFENE REGALE (200), BORD IN HÜFTHÖHE (201); sorg für Glühlampenlicht über dem Arbeitstisch, sodaß er durch die Lichtinsel hervorgehoben wird — LICHTINSELN (252); und leg neben dem Arbeitsplatz wenn möglich einen Sitzplatz an, da mit sich neben der Arbeit über den Tag verteilt auch lockere Gesprächsmöglichkeiten ergeben — RUNDER SITZPLATZ (185). Was die Einzelheiten der Form des Arbeitsplatzes betrifft, siehe DIE FORM DES INNENRAUMS (191) ...

 

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