253 DINGE AUS DEM EIGENEN LEBEN *

 

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... wenn schließlich alles an Ort und Stelle ist und man in die Räume einzieht, die man selbst errichtet hat, überlegt man vielleicht, welche Dinge man an die Wände hängen könnte.

 

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„Ausstattung" und der Begriff der „Innenarchitektur" haben sich so stark durchgesetzt, daß die Menschen bei den Dingen, die sie wirklich gern um sich hätten, ihren eigenen Instinkt vernachlässigen.

 

Für diese einfache Tatsache gibt es zwei Betrachtungsweisen. Man kann sie vorn Standpunkt der Person, der der Raum gehört, betrachten, und vom Standpunkt der Leute, die sie dort besuchen. Vom Standpunkt des Besitzers aus sollten offensichtlich die Dinge um einen auch jene Dinge sein, die einem am meisten bedeuten; Dinge, die so wichtig sind, daß sie bei der ständigen Veränderung der Persönlichkeit, die das Leben darstellt, eine Rolle spielen. Das ist soweit klar.

Aber diese Funktion ist in unserer Zeit mehr und mehr unterhöhlt wurden, weil sich die Leute nach außen, nach anderen richten, nach denen, die sie besuchen kommen; sie haben ihre natürlichen, instinktiven Dekorationen durch Dinge ersetzt, von denen sie annehmen, daß sie ihren Besuchern gefallen und sie beeindrucken. Das ist der Beweggrund für die vielen Seiten über Inneneinrichtung und Dekor in den Frauenmagazinen. Und Designer spielen mit diesen Ängsten, indem sie totales Design entwerfen und den Leuten sägen, daß sie weder etwas umstellen, noch die Wände anstreichen, noch eine zusätzliche Pflanze aufstellen dürften, weil sie nicht mit den Geheimnissen guten Designs vertraut wären.

Das Lustige daran ist, daß die Besucher, die in einen Raum kommen, diesen Unsinn genauso wenig wollen wie die Menschen, die dort leben. Es ist weitaus faszinierender, ein Zimmer zu betreten, das der lebendige Ausdruck einer Person oder einer Gruppe von Menschen ist, so daß man ihr Leben, ihre Geschichte, ihre Vorlieben manifest an den Wänden, Möbeln und Regalen ablesen kann. Verglichen mit dieser Erfahrung die so elementar ist wie das Gras auf einer Wiese - ist die künstliche Inszenierung „moderner Innenarchitektur" eine einzige Pleite.

Jung beschreibt das Zimmer, in dem er gearbeitet hat, wie er die Steinwände mit Zeichnungen füllte, die er täglich direkt darauf malte - Mandalas, Traumbilder, Gedanken -, und er erzählt, daß das Zimmer allmählich zu etwas Lebendigem für ihn wurde - das äußere Gegenstück seines Unbewußten.

Uns bekannte Beispiele: Ein von einem Franzosen geleitetes Motel, überall im Empfangsraum Andenken an die Réistance, der Brief von Charles de Gaulle. Ein vereinzelter Laden an der Autobahn, wo der Besitzer seine Sammlung von alten Flaschen auf Regalen über die ganzen Wände verteilt hat; hunderte von Flaschen in allen Formen und Farben; manche sind gerade zum Abstauben herunten; eine besonders schöne steht neben der Kassa auf dem Ladentisch. Ein Anarchist betreibt den Hot-Dog-Stand, dessen Wände mit Literatur, Proklamationen und Manifesten gegen den Staat tapeziert sind.

Ein Jagdhandschuh, ein Blindenstock, das Halsband des Lieblingshundes, eine Tafel mit getrockneten Blumen aus der Kindheit, oval gerahmte Bilder der Großmutter, ein Kerzenleuchter, sorgfältig in einer Flasche aufbewahrter Vulkanstaub, ein Zeitungsphoto von den Gefangenen in Attica, die das Gefängnis gestürmt hatten und bald darauf sterben sollten, ein altes Photo, auf dem der Wind durch das Gras weht und in der Ferne ein Kirchturm zu sehen ist, gezackte Muschelgehäuse, in denen noch das Räuschen des Meeres zu hören ist.

 

Daraus folgt:

Laß dich nicht hineinlegen zu glauben, daß moderne Inneneinrichtung geschleckt, oder psychedelisch, oder „natürlich" sein muß, oder wie „moderne Kunst", oder„natürlich" sein muß, oder wie „moderne Kunst", oder„inmitten von Pflanzen", oder was immer die jeweils aktuellen Trendsetter verlangen. Am schönsten ist es dann, wenn es direkt aus deinem Leben kommt - Din-ge, die dir wichtig sind, die dein Leben erzählen.

 Eine Muster Sprache 253 DINGE AUS DEM EIGENEN LEBEN

 

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