69 ÖFFENTLICHES ZIMMER IM FREIEN **

 

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... die Gemeinschaftsfläche in HAUPTTORE (53), ERREICHBARE GRÜNFLÄCHE (60), KLEINE PLÄTZE (61), GEMEINSCHAFTSFLÄCHEN (67), FUSSGÄNGERSTRASSE (100), WEGE UND ZIELE (120) brauchen zumindest gewisse Orte, wo man herumlungern und auf der Straße" sein kann. Dieser Zweck erfordert die Unterscheidung eines Teils der Gemeinschaftsfläche, der durch eine gewisse Ausarbeitung definiert werden muß. Auch kann dieses Muster als Kern dienen, um das sich größere Muster kristallisieren können, wenn sie noch nicht bestehen. 

 

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Entlang der Straßen moderner Städte und Wohnviertel gibt es wenige Stellen, an denen man sich angenehmerweise stundenlang herumtreiben kann.

 

Männer gehen in Eckkneipen, wo sie stundenlang reden und Bier trinken; Teenager, vor allem Jungen, suchen sich auch bestimmte Ecken, wo sie herumlungern und auf ihre Freunde warten. Alte Leute gehen auch gern zu bestimmten Stellen, wo sie andere vorfinden; kleine Kinder brauchen Sandkästen, 'Schlamm, Pflanzen und Wasser zum Spielen im Freien; junge Mütter benützen oft das Spielen der Kinder als Gelegenheit, andere Mütter zu treffen.

Wegen der verschiedenartigen und informellen Natur dieser Aktivitäten bedarf es eines Ortes, der einen subtilen Ausgleich zwischen Bestimmtheit und Unbestimmtheit bietet, sodaß jede 'Aktivität, die sich in der Nachbarschaft ergibt, sich zu jeder 'beliebigen Zeit frei entwickeln kann — und doch einen Ort findet, an dem sie beginnen kann.

Es wäre z. B. denkbar, einen Außenraum unfertig zu lassen, sodaß die rundum wohnenden Leute ihn nach ihren Bedürfnissen fertigstellen können. Er könnte Sand, Wasserentnahmestellen oder Spielausstattung für kleine Kinder bieten — ABENTEUERSPIELPLATZ (73); er könnte Stufen und Sitze haben, wo Teenager sich treffen können — TEENAGER—GESELLSCHAFT (84); jemand könnte eine Bar oder ein kleines Café in einem angrenzenden Haus einrichten, mit einer Arkade, in der man essen und trinken kann — IMBISSSTÄNDE (93); er könnte Gelegenheit zum Schach- oder Damespiel für ältere Leute bieten.

Vor allem in modernen Wohnbauprojekten fehlen solche Räume. Wenn Gemeinschaftsräume innerhalb der Bebauung vorgesehen sind, werden sie selten benutzt, Die Leute wollen sich nicht in eine Situation stürzen, die sie nicht kennen. In einem geschlossenen Raum entsteht eine zu intime Beziehung, als daß sich ein zufälliges und vorübergehendes Interesse allmählich aufbauen kann. Ein unbebautes Grundstück ist andererseits nicht abgeschlossen genug. Bis etwas auf einem unbebauten Grundstück geschieht, dauert es Jahre; es bietet zu wenig Schutz und zu wenig Anreiz, sich dort aufzuhalten.

Was man braucht, ist ein Rahmen, der genügend definiert ist, damit Leute sich natürlicherweise dort aufhalten. Spontane Neugierde muß Leute hinbringen und zum Bleiben veranlassen. Danach, wenn Gruppen aus der Gemeinschaft von diesem Rahmen angezogen werden, besteht eine Chance, daß sie selbst, wenn sie nicht behindert werden, eine ihren Aktivitäten angemessene Umwelt schaffen.

Wir vermuten, daß ein kleiner offener, überdachter Raum, mit Säulen, aber zumindest teilweise ohne Wände, gerade den richtigen Ausgleich von „Offenheit" und „Geschlossenheit" bietet.

 Eine Muster Sprache 69 ÖFFENTLICHES ZIMMER IM FREIEN

Ein schönes Beispiel dieses Musters wurde von Dave Chapin und George Gordon mit Studenten der Case Western Reserve in Cleveland, Ohio, gebaut. Sie errichteten eine Reihe öffentlicher Aufenthaltsräume auf den Gründen einer örtlichen Nervenheilanstalt und umliegenden öffentlichen Flächen. Nach Berichten der Ärzte änderten diese Orte das Leben der Anstalt dramatisch: Viel mehr Leute als früher zog es ins Freie, das öffentliche Gespräch war lebhafter, der Außenraum, der immer von Autos beherrscht gewesen war, wurde plötzlich menschlich, und die Autos mußten im Schritttempo fahren.

Insgesamt bauten Chapin und Gordon sieben öffentliche "Zimmer im Freien" in der Nachbarschaft. Jedes war leicht unterschiedlich, je nach Aussicht, Orientierung und Größe.

Wir haben auch eine Version dieses Musters in der mittelalterlichen Gesellschaft entdeckt. Offensichtlich gab es im zwölften und dreizehnten Jahrhundert viele solcher öffentlicher Gebäude verstreut in den Städten. Sie waren der Platz von Auktionen, Versammlungen und Märkten. Sie entsprechen ihrem Geist nach sehr den Plätzen, die wir für Wohnviertel und Arbeitsstätten vorschlagen.

 

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Öffentliche Zimmer in England und Peru.

 

Daraus folgt:

In jeder Nachbarschaft und jeder Gemeinschaft von Arbeitsstätten mach einen Teil der Gemeinschaftsfläche zu einem Zimmer im Freien — einem teilweise umschlossenen Platz, teilweise überdacht, mit Säulen, ohne Wände, vielleicht mit einem Spalier; leg ihn an einen wichtigen Weg und in Sichtweite vieler Wohnungen und Werkstätten.

 Eine Muster Sprache 69 ÖFFENTLICHES ZIMMER IM FREIEN 1

 

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Leg das öffentliche Zimmer im Freien so, daß es mehrere Wege berühren, wie jede andere gemeinschaftliche Fläche GEMEINSCHAFTSBEREICHE IN DER MITTE (129); in die Ausbauchung eines Wegs - DIE FORM VON WEGEN (121) oder an den Rand eines Platzes - AKTIVITÄTSNISCHEN (124); verwende naheliegende GEBÄUDEKANTEN (160), um sie teilweise zu definieren; bau sie wie andere kleinere Außenräume mit Pfeilern und Pergola-Dächern - ZIMMER IM FREIEN (163); leg vielleicht einen offenen Hof daneben - BELEBTE INNENHÖFE (115) -, eine ARKADE (119) um den Rand oder eine andere einfache Überdachung - MARKISENDÄCHER (244) -, ebenso informelle Sitzplätze - SITZ STUFEN (125), PLÄTZE ZUM SITZEN (241) ...

 

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