239 KLEINE SCHEIBENTEILUNG **

 

239.0

... dieses Muster erörtert die Verglasung von FENSTERN IM INNERN (194), TÜREN UND FENSTERN NACH BEDARF (221), WEIT AUFGEHENDEN FENSTERN (236) und SOLIDEN TÜREN MIT GLAS (237). In den meisten Fällen kann die Verglasung als Fortsetzung der GERAHMTEN ÖFFNUNGEN (236) angelegt werden.

 

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Als man Tafelglas herstellen konnte, dachten die Menschen, daß sie dadurch der Natur näherkommen würden. In Wirklichkeit ist es gerade umgekehrt.

 

Tafelglasfenster entfremden uns von der Aussicht. Je kleiner die Fenster und je kleinteiliger die Scheiben sind, desto stärker tragen Fenster zur Verbindung zwischen uns und der anderen Seite bei.

Das ist ein wichtiges Paradoxon. Das durchsichtige Tafelglas erzeugt den Eindruck, uns der Natur näher zu bringen, weil es mehr wie eine Öffnung, wie Luft zu sein scheint. Aber in Wirklichkeit wird unser Kontakt zur Aussicht, unser Kontakt zu den Dingen, die wir durch das Fenster sehen, von der Art und Weise beeinflußt, wie sie vom Fenster gerahmt sind. Wenn man sich das Fenster als Auge vorstellt, durch das man eine Aussicht betrachtet, stellt man fest, daß die Intensität und Vielfalt einer Aussicht und sogar die Menge von Aussichten, die man zu sehen scheint, von dem Ausmaß der Umrahmung abhängt - und deshalb bringen uns Fenster, die in kleinere Fenster unterteilt sind und Fenster, die mit winzigen Scheiben verglast sind, in viel engere Berührung mit dem, was auf der anderen Seite ist. Wie sie nämlich viel mehr Umrahmungen schaffen: und die Vielzahl der Rahmen macht die Aussicht aus.

Thomas Markus, der sich ausführlich mit Fenstern befaßt hat, kam zu demselben Schluß: Fenster, die unterteilt sind, schaffen weitaus interessantere Aussichten. („The Function of Windows - A Reappraisal", Building Science, Bd. 2, 1967, S. 101104.) Er weist darauf hin, daß durch kleine, schmale Fenster von verschiedenen Positionen im Raum verschiedene Aussichten entstehen, während sich durch große oder horizontal ausgedehnte Fenster immer mehr oder weniger die gleiche Aussicht bietet.

Wir glauben, daß für die Fläche innerhalb des Fensterrahmens fast das gleiche gilt. Das folgende Bild zeigt eine einfache Landschaft, wie sie in sechs Scheiben aufgeteilt wäre. Anstatt einer Aussicht sehen wir sechs. Die Aussicht wird durch die sechs Scheiben lebendig.

 239.1

Sechs Aussichten.

 

Ein weiteres Argument für die kleine Scheibenteilung: Die moderne Architektur und das moderne Bauwesen haben ganz bewußt versucht, die Fenster weniger wie Fenster zu machen, sondern eher so, als bestünde zwischen drinnen und draußen keine Trennung. Das steht jedoch in völligem Widerspruch zur Natur von Fenstern. Es stimmt zwar, daß die Funktion der Fenster darin besteht, eine Aussicht zu bieten und eine Beziehung zum Freien herzustellen. Das bedeutet aber nicht, daß sie nicht gleichzeitig, wie Wände oder Dach, ein Gefühl der Geborgenheit und des Schutzes gegen außen vermitteln sollen. Es ist unangenehm, wenn zwischen dir und draußen nichts ist, obwohl du doch innerhalb eines Gebäudes bist. Es ist der Sinn von Fenstern, eine Beziehung mit der Außenwelt herzustellen und gleichzeitig ein Gefühl der Geschlossenheit zu vermitteln.

Nicht nur das. Große Flächen aus Klarglas sind manchmal sogar gefährlich. Die Leute laufen in Nurglastüren hinein, weil sie wie Luft aussehen. Öffnungen mit kleiner Scheibenteilung senden im Vergleich dazu eine eindeutige funktionelle Botschaft aus - die Rahmen der Scheiben weisen ganz eindeutig darauf hin, daß uns hier etwas von der Außenwelt trennt. Und sie tragen dazu bei, GEFILTERTES LICHT (238) zu schaffen.

 239.2

Kleine Scheibenteilung in Mendocino.

 

Daraus folgt:

Unterteil jedes Fenster in kleine Scheiben. Diese Scheiben können wirklich sehr klein sein; sie sollten kaum größer als 30 mal 30 cm sein. Um die genaue Größe der Scheiben festzulegen, dividiere die Breite und Höhe des Fensters durch die Zahl der Scheiben. So erhält jedes Fenster entsprechend seiner Höhe und Breite verschieden große Scheiben.

 Eine Muster Sprache 239 KLEINE SCHEIBENTEILUNG

 

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In gewissen Fällen könnte man die kleinen Scheiben nahe der Fensterkante sogar noch feiner machen, um das Licht um die obere Kante von Fenstern, die sich gegen den Himmel abzeichnen, zu filtern — GEFILTERTES LICHT (238). Die Glasleisten können aus demselben Material wie die Deckleiste gemacht werden — SCHMALE DECKLEISTE (240) ...

 

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