230 STRAHLUNGSWÄRME *

 

230.1

Österreichischer Kachelofen.

 

... verwend als Ergänzung zu WANDSCHALEN (218), GEWÖLBTEN DECKEN (219) und PLATZ FÜR LEITUNGEN (229) ein ökologisch vernünftiges Heizsystem.

 

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Dieses Muster ist eine biologisch präzise Erörterung der intuitiven Einsicht, daß Sonnenlicht und ein loderndes Feuer die besten Heizungen sind.

 

Wärme kann durch Strahlung (Wärmewellen im leeren Raum), Konvektion (Ausbreitung in Flüssigkeiten oder Gasen durch Vermischung von Molekülen oder aufsteigender Warmluft) und Leitung (Ausbreitung im festen Körper) übertragen werden.

Meistens empfangen wir aus unserer Umgebung Wärme auf alle drei Arten: Wärmeleitung durch die festen Körper, die wir berühren, Wärmekonvektion durch die Luft um uns und Wärmestrahlung durch die Strahlungsquellen in Sichtlinie zu uns.

Von diesen dreien ist die Wärmeleitung am wenigsten von Belang, weil jede Oberfläche, die warm genug ist, um Wärme direkt zu übertragen, für unser Empfinden zu heiß ist. Was die anderen beiden Formen der Wärmeübertragung betrifft - Konvektion und Strahlung -, könnten wir uns fragen, ob sie biologisch gesehen unterschiedliche Auswirkungen auf den Menschen haben. Die Antwort lautet Ja.

Es stellt sich heraus, daß sich Menschen am wohlsten fühlen, wenn sie Strahlungswärme mit etwas höherer Temperatur als die der umgebenden Luft empfangen. Die zwei einfachsten Beispiele dieser Situation sind: (1) Ein Frühlingstag im Freien, wenn die Luft noch nicht sehr wärm ist, aber die Sonne scheint. (2) Ein offenes Feuer an einem kalten Abend.

Die meisten Menschen werden diese zwei Situationen instinktiv als äußerst angenehm empfinden. Und angesichts der Tatsache, daß wir uns als Organismen im Freien und in der Sonne entwickelt haben, ist es nicht überraschend, daß uns diese Bedingungen so angenehm erscheinen. Sie sind Teil unseres biologischen Systems.

Leider wird diese grundlegende Tatsache aber von vielen der meistverbreiteten Heizsysteme außer acht gelassen.

Luftheizungen, eingebaute Rohre und sogenannte Warmwasser-"Radiatoren" übertragen tatsächlich einen Teil ihrer Wärme durch Strahlung, die meiste Wärme übertragen sie jedoch durch Konvektion. Die Luft erwärmt sich und wärmt in der Folge uns. Dadurch entsteht aber dieses unangenehme Gefühl von stickiger, überheizter, trockener Luft. Wenn Konvektoren heiß genug sind, um uns zu wärmen, wirkt die Raumluft erdrückend. Drehen wir sie zurück, wird es zu kalt.

Daß män sich wohlfühlt, erfordert ein ausgewogenes Verhältnis von Konvektions- und Strahlungswärme. Versuche haben gezeigt, daß dieses Verhältnis am ehesten zustande kommt, wenn die durchschnittliche Strahlungstemperatur etwa um zwei Grad höher als die Raumtemperatur ist. Um auf die durchschnittliche Strahlungstemperatur in einem Räum zu kommen, mißt man die Temperatur aller sichtbaren Oberflächen im Raum, multipliziert jede Fläche mit ihrer Temperatur, addiert alles und teilt die Summe durch die Gesamtfläche. Für ein Empfinden der Behaglichkeit muß die durchschnittliche Strahlungstemperatur etwa zwei Grad über der Lufttemperatur liegen

Da einige Oberflächen in einem Raum (Fenster und Außenwände) gewöhnlich kühler sind als die Raumluft, bedeutet das, daß zumindest einige Oberflächen beträchtlich wärmer sein müssen, damit der Durchschnitt steigt.

Ein offenes Feuer, das eine kleine Fläche mit sehr hoher Temperatur liefert, schafft diese Bedingungen in einem kälten Raum. Mit den schönen österreichischen und schwedischen Kachelöfen wird eine ähnlich gute Wirkung erzielt.

Es handelt sich dabei um massive Öfen aus Tonziegeln oder Kacheln mit einer kleinen Feuerstelle in der Mitte. Ein wenig Reisig in der Feuerstelle gibt die gesamte Wärme an den Ton des Ofens ab, der Ton speichert die Wärme, so wie die Erde, und strahlt sie im Verlauf vieler Stunden allmählich ab.

 

Strahlungsplatten mit Temperaturregelung für jeden Raum und an Wänden und Decken hängende Infrarotheizer sind mögliche moderne Versionen von Strahlungsheizungen. Eine ähnliche Wirkung können möglicherweise auch Niedertemperaturstrahler — wie ein Warmwassertank — erzielen. Anstatt den Tank zu isolieren, kann man ihn in die Mitte des Hauses stellen und als ausgezeichnete Strahlungswärmequelle benutzen.

 

Daraus folgt:

Wähl vor allem für jene Räume, in denen die Leute zusammen kommen, wenn es kalt ist, eine Form der Heizung, die in der Hauptsache auf Strahlung und weniger auf Konvektion beruht.

 Eine Muster Sprache 230 STRAHLUNGSWÄRME

 

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Wer sich nach den vorhergehenden Mustern gerichtet hat, hat möglicherweise Zimmer mit gewölbten Decken, mit einer steilen Fläche in wandnähe und hinter dieser Fläche die wichtigsten Leitungen — GEWÖLBTE DECKEN (219), PLATZ FÜR LEITUNGEN (229). In diesem Fall können die Strahlungswärmeplatten an dieser steilen Fläche angebracht werden.

Es entstehen aber auch sehr angenehme Stellen, wenn zumindest ein Teil der Strahlungsflächen so niedrig liegt, daß Sitzplätze um sie herum- und an sie angebaut werden können; es gibt nichts Schöneres an einem kalten Tag, als an einen warmen Ofen gelehnt zu sitzen — EINGEBAUTE SITZBANK (202).

 

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