13 SUBKULTUR-GRENZE *

 

013.0

... das MOSAIK AUS SUBKULTUREN (8) und die einzelnen Subkulturen, seien sie GEMEINDEN VON 7000 (12) oder IDENTIFIZIERBARE NACHBARSCHAFTEN (14) brauchen Grenzen. Tatsächlich wird die bloße Anlage von Grenzzonen nach diesem Muster die Subkulturen zum Leben bringen, indem sie ihnen zwischen ihren Grenzen ermöglicht, sie selbst zu sein. 

 

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Das Mosaik aus Subkulturen erfordert, daß hunderte verschiedene Kulturen auf ihre Art in voller Intensität Tür an Tür zusammenleben. Aber Subkulturen haben ihre eigene Ökologie. Sie können in voller Intensität von den Nachbarn ungehindert nur dann leben, wenn sie tatsächlich durch physische Grenzen getrennt sind.

 

Im MOSAIK AUS SUBKULTUREN (8) haben wir ausgeführt, daß eine große Vielfalt von Subkulturen in einer Stadt nicht ein rassistisches Muster ist, aus dem Ghettos entstehen, sondern ein Muster der Möglichkeiten, das eine Vielzahl von verschiedenen Lebensweisen mit der größtmöglichen Intensität zuläßt.

Aber dieses Mosaik wird nur entstehen, wenn die verschiedenen Subkulturen voneinander. isoliert .sind, zumindest soweit, daß keine den Lebensstil ihrer Nachbarn bedrängen oder unterdrücken noch umgekehrt sich bedrängt oder unterdrückt fühlen kann. Wie wir sehen werden, müssen dazu nebeneinander liegende Subkulturen durch Streifen offenen Landes, Arbeitsstätten, öffentliche Gebäude, Wasserflächen, Parks oder andere natürliche Grenzen getrennt sein.

Der Gedanke fußt auf folgender Tatsache: Überall in der Stadt, wo es ein homogenes Wohngebiet gibt, werden seine Bewohner auf die anliegenden Gebiete einen starken Druck ausüben, sich ihren Werten und ihrem Stil anzupassen. Die "anständigen" Leute zum Beispiel, die 1967 in der Nähe des "Hippie"-Bezirks Haight Ashbury in San Francisco lebten, fürchteten, daß der Haight ihre Bodenpreise drücken würde. Sie übten Druck auf das Rathaus aus, den Haight zu "säubern" - das heißt, den Haight ihrem eigenen Gebiet anzugleichen. Anscheinend passiert das immer, wenn eine Subkultur von einer benachbarten im Stil sehr verschieden ist. Die Leute haben Angst, daß das Nachbargebiet auf das eigene Gebiet "übergreift", die Bodenpreise durcheinander bringt, die Kinder verdirbt, die "netten" Leute vertreibt usw., und tun alles, damit das Nachbargebiet aussieht wie ihres.

Carl Werthman, Jerry Mandel und Ted Dienstfrey (Planning and the Purehase Decision: Why People Buy in Planned Communities. University of California, Berkeley, Juli 1965) haben dasselbe Phänomen sogar bei sehr ähnlichen Subkulturen festgestellt. In einer Studie über Bewohner großflächiger Bebauung stellten sie fest, daß die durch die Nähe verschiedener sozialer Gruppen entstehenden Spannungen verschwanden, wenn dazwischen genug offenes Land, unbebaute Grundstücke, Schnellstraßen oder Wasserflächen waren. Kurz, ein physisches Hindernis zwischen benachbarten Subkulturen wirkte beruhigend, wenn es groß genug war.

Es liegt auf der Hand, daß eine reiche Mischung von Subkulturen unmöglich ist, wenn jede Subkultur dem Druck der Nachbarn ausgesetzt ist. Die Subkulturen müssen daher durch Boden, der nicht Wohngebiet ist, getrennt sein, und zwar durch soviel wie möglich.

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Es gibt noch eine empirische Beobachtung, die diese Aussage bestätigt. Wenn wir uns in einem Großstadtgebiet umschauen und die differenzierten Subkulturen heraussuchen, solche mit Charakter, werden wir immer finden, daß sie in der Nähe. von Grenzen liegen und selten direkt an anderen Gemeinschaften. In San Francisco zum Beispiel sind die zwei charakteristischsten Gebiete Telegraph Hill und Chinatown. Telegraph Hill ist an zwei Seiten von Docks umgeben. Chinatown grenzt mit zwei Seiten an das Bankviertel der Stadt. Dasselbe gilt für die größere Bay Area. Point Richmond und Sausalito, zwei charaktertistischsten Gemeinden der größeren Bay Area sind beide fast völlig isoliert. Sausalito ist von Hügeln und Wasser umgeben; Point Richmond von Wasser und Industrieland. Gemeinden, die teilweise abgeschnitten sind, können ihren eigenen Charakter frei entwickeln.

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Eine weitere Bestätigung unseres Gedankengangs kommt aus der Ökologie. In der Natur geht die Aufspaltung einer Art in Unterarten großteils auf den Prozess der geographischen Artenbildung - die genetischen Änderungen während einer Periode räumlicher Isolation - zurück (siehe z.B. Ernst Mayr, Animal Species and Evolution. Cambridge.1963, Kapitel 18: "The Ecology of Speciation", S. 556-585). In einer Vielzahl von ökologischen Studien hat man beobachtet, daß Individuen derselben Art unterscheidbare Merkmale entwickeln, wenn sie von Artgenossen durch physische Grenzen getrennt sind-etwa durch eine Bergkette. ein Tal, einen Fluß, einen Wüstenstreifen, Klippe  oder einen erheblichen Unterschied im Klima oder In der Vegetation. Genau auf diese Weise kann die Differenzierung zwischen Subkulturen in einer Stadt am leichtesten stattfinden, wenn der Austausch der, Elemente, die die Kulturvielfalt ausmachen - Werte, Stil, Information usw. - zwischen benachbarten Subkulturen zumindest teilweise beschränkt ist.

 

Daraus folgt:

Trenn benachbarte Subkulturen durch einen mindestens 60 m breiten Streifen. Diese Grenze kann natürlich sein - Wildnis, Ackerland, Wasser - oder künstlich - Bahntrassen, Hauptstraßen, Parks, Schulen, besondere Wohnbauten. Bau entlang der Naht zwischen zwei Subkulturen Versammlungsplätze und gemeinschaftliche Nutzungen. die beiden Gemeinden zugänglich sind.

 

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Natürliche Grenzen können Dinge. sein wie DAS LAND (7)HEILIGE STÄTTEN (24), ZUGANG ZUM WASSER (25), RUHIGE HINTERSEITEN (59), ERREICHBARE GRÜNFLÄCHE (60), TEICHE UNO BÄCHE (64), STEHENDES WASSER (71).Künstliche Grenzen sind etwa RINGSTRASSEN (17), PARALLELE STRASSEN (23), GEMEINSCHAFT VON ARBEITSSTÄTTEN (41), INDUSTRIEBÄNDER (42), TEENAGER- GESELLSCHAFT (84), ABGESCHIRMTES PARKEN (97). Die innere Organisation der Subkultur-Grenze sollte zwei generellen Prinzipien folgen. Sie sollte die verschiedenen Nutzungen zu funktionellen Gruppen konzentrieren - KNOTEN DER AKTIVITÄT (30), GEMEINSCHAFT VON ARBEITSSTÄTTEN (41). Die Grenze sollte von beiden Gemeinden zugänglich sein und als Versammlungsort dienen können - EXZENTRISCHER KERN (28)....

 

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