12 GEMEINDE VON 7000 *

 

012.0

...das MOSAIK AUS SUBKULTUREN (8) besteht aus einer Vielzahl großer und kleiner selbstverwalteter Gemeinden und Nachbarschaften. Mit der Gemeinde von 7000 läßt sich die Struktur der großen Gemeinden definieren. 

 

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Individuen haben in einer Gemeinde von über 5000-10.000 Personen keine wirksame Stimme.

 

Die Leute haben nur dann einen echten Einfluß auf die lokale Verwaltung, wenn deren Einheiten autonome, selbstverwaltete Gemeinden mit eigenem Budget sind. Sie müssen klein genug sein, damit eine direkte Verbindung zwischen dem Mann auf der Straße und seinen lokalen Beamten und gewählten Vertretern möglich ist.

Das ist ein alter Gedanke. Er war das Modell der Demokratie im Athen des 3. und 4. Jahrhunderts v. ehr.; er war Jeffersons Plan für die amerikanische Demokratie; er war der Weg, den Konfuzius in seinem Buch über das Regieren, Die große Lehre, einschlug.

Für diese Menschen bedeutete es eine befriedigende Erfahrung, selbst die politische Macht in lokalen Angelegenheiten auszuüben. Sophokles schrieb, das Leben wäre unerträglich, hätte man nicht die Freiheit, in der kleinen Gemeinde in Aktion zu treten. Und diese Erfahrung wurde nicht nur an sich als gut betrachtet, sondern auch als der einzige Weg, die Verwaltung vor Korruption zu bewahren. Jefferson wollte die Macht verteilen, nicht weil "das Volk" so einsichtig und klug war, sondern gerade weil es zum Irrtum neigte und es daher gefährlich war, die Macht einigen wenigen zu übertragen, die unweigerlich große Fehler machen würden. "Teil das Land in Bezirke", war sein Wahlkampfslogan. Die Fehler würden überblickbar werden; die Menschen würden Erfahrungen sammeln und Fortschritte machen.

Heute ist die Distanz zwischen den Menschen und den Machtzentren, von denen sie verwaltet werden, gewaltig - sowohl psychologisch wie geographisch. Milton Kotler, ein Anhänger Jeffersons, hat diese Erfahrungen beschrieben:

Die Vorgänge der Stadtverwaltung sind für den Bürger unsichtbar. Er sieht kaum einen Hinweis auf ihre menschlichen Komponenten, fühlt aber den stechenden Schmerz der Besteuerung. Je armseliger die öffentlichen Dienstleistungen, desto nachdrücklicher gibt er seine Wunsche und Bedürfnisse zu erkennen. Aber diese Äußerungen der Not bleiben in der Luft hängen, denn die Verwaltung scheint seinee Bedürfnisse gar nicht wahrzunehmen. Diese Trennung zwischen Bürger und Verwaltung ist das politische Hauptproblem der Stadtverwaltung, da sie die Dynamik bürgerlicher Unruhe mit sich bringt. ... (Milton Kotler, Neighborhood Foundations, Memorandum Nt. 24; ,,Nighborhood corporations and the reorgamzation of city government", unveröffentlichtes Manuskript, August 1967.)

 

Die bauliche Umwelt, wie sie derzeit bestellt ist, fördert und erhält die Trennung zwischen Bürgern und Verwaltung auf zwei Arten. Erstens ist die politische Gemeinde so groß, daß ihre Mitglieder allein durch ihre Zahl von ihren Führern getrennt sind. Zweitens ist die Regierung unsichtbar, befindet sich physisch außerhalb des täglichen Lebens der meisten Bürger. Solange diese beiden Bedingungen nicht geändert werden, ist eine Überwindung der politischen Entfremdung nicht zu erwarten.

1. Die Größe der politischen Gemeinschaften. Offensichtlich ist die Distanz zwischen dem durchschnittlichen Bürger und den Spitzen der Regierung umso größer, je größer die Gemeinde ist. Ausgehend von Städten wie Athen in ihrer Blütezeit hat Paul Goodman eine Faustregel aufgestellt: daß kein Burger weiter als über zwei Freunde vom höchsten Mitglied der Gemeinde entfernt sein soll. Nehmen wir an, daß jeder ungefähr zwölf Personen in seiner Gemeinde kennt. Diese Annahme und Goodmans Regel ergibt eine optimale Größe für eine politische Gemeinde von 123 oder 1728 Haushalten oder rund 5500 Personen. Diese Zahl entspricht auch einer alten Schätzung der Chicago School, die auf 5000 kam. Und es ist dieselbe Größenordnung wie die von ECCO, der von Kotler beschriebenen Vereinigung von Nachbarschaften in Columbus, Ohio, mit 6000 und 7000 (Committee on Government Operations, U.S. Senate, 89th Congress, Second Session, Part 9, Dezember 1966).

Die Herausgeber des Ecologist haben eine ähnliche. Ansicht über die richtige Größe von lokalen Verwaitungseinheiten (sIehe ihr Blueprint for Survival, Penguin Books, 1972, S.50-55). Und Terence Lee beweist in seiner Studie "Urban neighborhood as a sodo-spatial schema", Ekistics 177, August 1970, die räumliche Bedeutung der Gemeinde. Lee gibt die Zahl von 30 ha als die natürliche Größe einer Gemeinde an. Bei 60 Personen/ha würde eine solche Gemeinde ca. 2000 Personen aufnehmen; bei 150 Personen/ha etwa 4500.

2. Der sichtbare Standort der Lokalverwaltung. Auch wenn lokale Zweige der Verwaltung 'funktionell dezentralisiert sind, sind sie oft immer noch räumlich zentralisiert, versteckt in riesigen Verwaltungsgebäuden der Stadt oder des Landes, außerhalb des täglichen Lebensbereichs. Diese wirken einschüchternd und entfremdend. Man muß erreichen, daß jeder sich mit seinen Vorschlägen und Beschwerden in seiner Lokalverwaltung am richtigen Ort fühlt. Eine Person muß sie als ihr Forum empfinden, und zwar direkt, sodaß sie jemand Zuständigen anrufen und ihn persönlich innerhalb von ein oder zwei Tagen sprechen kann.

Dazu muß das lokale Forum an gut sichtbarer und zugänglicher Stelle sein. Es könnte zum Beispiel am belebtesten Marktplatz jeder Gemeinde von 5000 - 7000 Einwohnern liegen. Diese Möglichkeit behandeln wir genauer unter LOKALES RATHAUS (44), wir betonen sie aber hier, da die Einrichtung eines politischen "Herzens", eines politischen Schwerpunkts ein wesentlicher Bestandteil einer politischen Gemeinde ist.

 

012.1

Gemeindetreffen von einigen Tausend.

 

Daraus folgt:


Dezentralisiere die Stadtverwaltungen in einer Weise, daß die lokale Kontrolle in der Hand von Gemeinden von 5000 - 10.000 Personen ist. Benütz womöglich natürliche geographische und historische Grenzen zur Bestimmung dieser Gemeinden. Gib jeder Gemeinde die Macht, die sie betreffenden Angelegenheiten zu behandeln, zu entscheiden und durchzuführen: Flächenwidmung, Wohnbau, Erhaltung der Anlagen, Straßen, Parkanlagen, Polizei, Schulen, Fürsorge, Nachbarschaftsdienste.

 

 Eine Muster Sprache   12 GEMEINDE VON 7000

 

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Trenn die Gemeinden voneinander durch physische Grenzbereiche - SUBKULTUR-GRENZE (13); unterteile jede Gemeinde in 10-20 unabhängige Nachbarschaften, jede mit einem Vertreter im Gemeinderat - IDENTIFIZIERBARE NACHBARSCHAFT (14); sieh einen zentralen Platz vor, wo die Leute zusammenkommen können - EXZENTRISCHER KERN (28), PROMENADE (31); und stell auf diesem zentralen Platz ein lokales Rathaus zur Verfügung, als Sammelpunkt der politischen Aktivität der Gemeinde - LOKALES RATHAUS (44) ...

 

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